Ethik?
Oder die Antwort auf die Frage:

Warum lebst du vegan?

Für jene, denen es nicht reicht, dass es sich schon instinktiv falsch anfühlt, einem kopfüber hängenden Hund oder Schwein oder Menschen ein Messer in die Kehle zu rammen.

Ich nehme an, dass keine wirklich objektive Moral existiert.
Das klingt zunächst beunruhigend, ist aber gar nicht so schlimm, wie man meint.
Daraus resultiert dann eine Handlungsfreiheit in dem Sinne, dass man die absolut freie Wahl hat, wie man handelt.
Zumindest, wenn man von gesetzlichen Vorschrift absieht. Jegliche Gesetze seien auf dieser Betrachtungsebene einmal irrelevant, da es sie zu hinterfragen gilt.

Warum dann überhaupt Ethik?
Die erste Behauptung wäre also, dass Moral ein sinnvolles Produkt der Evolution ist, das für das Funktionieren der Gesellschaft wahrscheinlich unverzichtbar ist. Moral findet ihren emotionalen Kern also in Empathie und Mitgefühl gegenüber anderen Geschöpfen.

Das innere Bedürfnis nach Fairness sowie die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, begründen wohl eine Grundhaltung, die dem kategorischen Imperativ entspricht:

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Immanuel Kant

Letztendlich gibt es zwei mögliche Ansätze, denen ich nicht widersprechen könnte:

  • Man lehnt Ethik/Moral vollkommen ab
  • Man baut die Ethik/Moral konsequent auf
    (Mischethiken seien an dieser Stelle vernachlässigt)

Der erste Ansatz ist nicht angreifbar, da es keine objektive Moral gibt. Jene Personen, die danach handeln, haben aber keine Basis und kein Recht darauf, Handlungen ethisch zu bewerten oder zu kritisieren. Dieser Ansatz wird im Alltag von Menschen so gut die nie konsequent vertreten.

Der zweiten Methodik werde ich letztendlich nachgehen.

Jede weitere Position, die nicht aus diesen beiden Ansätzen hervorgeht, beinhaltet automatisch den Aspekt der – besser oder schlechter begründeten – Willkür im Werten von Handlungen.

Wie kommt man zu einer möglichst konsequenten Ethik?
Einem Menschen Leid zuzufügen, sollte im weitesten Teil dieser Gesellschaft als vermeidungswürdig empfunden werden.
Dies sei also nun einmal der allgemeine moralische Konsens.

Was ist demnach Diskriminierung?
Wie die Geschichte und auch die Gegenwart traurigerweise demonstrieren, ist für einige Weltansichten auch dieser moralische Konsens schon sehr weit gefasst. Er scheint bisher jedoch erkämpfenswert.

Diskriminierungen beruhen im Groben darauf, dass man ein Individuum aufgrund einer ungeeigneten Kategorisierung für (ethisch) minderwertig oder gar als Feind empfindet. Aber auch der Umstand, dass man ausschließlich Individuen der eigenen Kategorie als ethisch relevant empfindet, führt zu diskriminierendem Verhalten.

Solche Kategorien könnten beispielsweise Geschlecht, Hautfarbe, Religiosität oder Körperliche Funktionalität sein. Beliebten Kategorisierungen haben sogar allgemein bekannte Namen, wie Rassismus oder Sexismus. Man definiert sich also eine Gruppe, der man in der Regel selbst angehört, und verknüpft sie mit ethischer Relevanz.

Warum erscheint uns das aber rückblickend immer als verwerflich oder gar grausam?
Wichtig ist zu bemerken, dass das rückblickend diskriminierende Verhalten zu der Zeit, zu der es zum Alltag gehört, von der Mehrheit nicht als ethisch verwerflich empfunden wird. Die Gewohnheit spielt in der oberflächlichen moralischen Empfindung also eine enorme Rolle. (Dazu natürlich noch eine Menge weiterer psychologischer Rechtfertigungsmechanismen)

Hier sieht man, wie wichtig auch das Hinterfragen der Alltagsumstände ist.
Da die Unterdrückten mit ihrer Situation oft unzufrieden sind – zumindest, wenn es sich um aggressive Diskriminierung – , kommt es vor, dass sie auf ihre Missstände aufmerksam machen und den anderen Mitgliedern der Gesellschaft dazu bringen, über ihr Verhalten und die Umstände nachzudenken.
Eine ethische Weiterentwicklung wäre natürlich viel effizienter möglich, wenn jede*r das von sich aus täte.
Aber man hinterfragt nicht alles. Und das ist auch leider durchaus sinnvoll so.
(Wie sähe ein Alltag aus, in dem man jede Handlung immer neu hinterfragen muss?)

Macht man sich nun aber Gedanken um die jeweiligen Missstände, dann fällt einem auf, dass etwas nicht stimmt. Wenn sich langsam die Augen öffnen und man sich in die Gruppe der Diskriminierten hineinversetzt, dann wird einem klar, dass man ihnen eigentlich kein Leid zufügen möchte.

Hiermit wären wir beim wichtigsten Stichwort: Leid. Wir wollen nicht, dass andere leiden.

Ein beliebter Kern der Ethik ist also Leid bzw. Leidvermeidung sowie auch Interessensabwägung.

Nun erkennt man aber, dass weder Geschlecht noch Hautfarbe etwas mit Leidempfinden oder Interessen zu tun haben.

Auch Äußerlichkeiten oder das Zugehören zu einer bestimmten Spezies gehen nicht Hand in Hand mit der Leidensfähigkeit.
Wer also der eigenen Spezies aufgrund von Äußerlichkeiten, wie dem Fehlen von Fell oder Hörnern, als einziges eine ethische Relevanz zuschreibt, macht es im Grunde nicht besser als jemand, der das Geschlecht oder die Hautfarbe gewählt hat.

Um Leid zu empfinden ist ein Bewusstsein nötig, ein Nervenzentrum und entsprechende Sinne. Wir interpretieren das Leid aus dem Verhalten anderer Menschen und Tiere.

Wenn man mir mit einem Messer die Kehle aufschlitzen würde, würde ich auch leiden.

Letztendlich gibt es also keine nicht-diskriminierende Rechtfertigung, einem anderen Menschen oder einem Tier ohne Notwendigkeit Leid zuzufügen.

Gegen jede Art von Diskriminierung sollte gekämpft werden. Gegen Rassismus, gegen Sexismus und gegen jede weitere. Und auch gegen Speziesismus!

Hier bleibt also nur noch das Offensichtliche zu sagen:
Tiere empfinden Leid und Tiere haben Interessen.
Es sollte trivial sein, kein Leid in Form von Gefangenschaft und Tod für ein Luxuslebensmittel in Kauf zu nehmen.

Wir könnten so einfach anerkennen, dass die Tierindustrie verwerflich ist, wenn wir nicht so bequem wären und über Leichen gingen um an unserer Gewohnheit festzuhalten.

Nachwort:
Eigentlich empfinden es ja die meisten schon als falsch, Tiere zu quälen. Dann fehlt nur noch, sich gegen die allgegenwärtige Werbungsmanipulation zu wehren, und das Leid der Tiere zu sehen. Und sich einzugestehen, dass man selbst lieber dagegen kämpfen sollte, statt durch den Einkaufszettel bei diesem Unrecht zu partizipieren.